Der Indikator Moving Average Convergence Divergence (MACD) ist ein Oszillator, der in der technischen Analyse (TA) sehr verbreitet ist. Der MACD ist ein trendfolgendes Werkzeug, das mithilfe gleitender Durchschnitte das Momentum einer Aktie, einer Kryptowährung oder eines anderen handelbaren Wertes bestimmt.
Der Ende der 1970er-Jahre von Gerald Appel entwickelte MACD verfolgt Kursbewegungen, die bereits stattgefunden haben, und zählt damit zu den nachlaufenden Indikatoren (er liefert Signale auf Basis vergangener Daten bzw. vergangenen Kursverhaltens). Der MACD eignet sich, um Marktdynamik und mögliche Kurstrends zu messen, und viele Trader nutzen ihn, um potenzielle Ein- und Ausstiegspunkte zu erkennen.
Bevor wir uns die Mechanik des MACD ansehen, muss das Konzept des gleitenden Durchschnitts klar sein. Ein gleitender Durchschnitt (Moving Average, MA) ist schlicht eine Linie, die den Durchschnittswert vergangener Daten über einen festgelegten Zeitraum abbildet. Gleitende Durchschnitte gehören zu den beliebtesten Indikatoren der technischen Analyse an den Finanzmärkten und werden in zwei Typen unterteilt: einfache gleitende Durchschnitte (SMA) und exponentielle gleitende Durchschnitte (EMA). Während der SMA alle Datenpunkte gleich gewichtet, priorisiert der EMA die jüngsten Werte (den aktuellsten Kurs).
So funktioniert der MACD
Der MACD-Indikator entsteht, indem zwei exponentielle gleitende Durchschnitte (EMAs) voneinander subtrahiert werden — das ergibt die Hauptlinie (MACD-Linie). Aus dieser wird anschließend ein weiterer EMA berechnet, der die Signallinie darstellt.
Hinzu kommt das MACD-Histogramm. Es wird aus der Differenz zwischen diesen beiden Linien berechnet. Das Histogramm schwankt gemeinsam mit den beiden Linien über und unter der Mittellinie (auch Nulllinie genannt).
Der MACD-Indikator besteht also aus drei beweglichen Elementen rund um die Nulllinie:
Die MACD-Linie (1): hilft festzustellen, ob das Momentum steigt oder fällt (Markttrend). Sie wird als Differenz zweier exponentieller gleitender Durchschnitte (EMA) berechnet.
Die Signallinie (2): ist der EMA der MACD-Linie (üblicherweise ein 9-Perioden-EMA). Die gemeinsame Betrachtung von Signallinie und MACD-Linie kann helfen, mögliche Trendwenden oder Ein- und Ausstiegspunkte zu identifizieren.
Histogramm (3): eine grafische Darstellung von Divergenz und Konvergenz zwischen MACD- und Signallinie. Anders gesagt ergibt sich das Histogramm aus der Differenz der beiden Linien.

Die MACD-Linie
In der Regel wird der exponentielle gleitende Durchschnitt aus dem Schlusskurs des Basiswerts berechnet, und die Perioden der beiden EMAs sind üblicherweise auf 12 (schneller) und 26 (langsamer) gesetzt. Die Periode lässt sich unterschiedlich definieren (Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate); dieser Artikel konzentriert sich auf Tageseinstellungen. Der MACD-Indikator lässt sich aber für verschiedene Handelsstrategien anpassen.
Im Standard-Zeitrahmen wird die MACD-Linie berechnet, indem man den 26-Tage-EMA vom 12-Tage-EMA abzieht.
MACD-Linie = 12-Tage-EMA - 26-Tage-EMA
Wie erwähnt schwingt die MACD-Linie über und unter der Nulllinie, was sich in der Kreuzung der Mittellinie zeigt. Damit signalisiert sie Tradern, wann 12- und 26-Tage-EMA ihre relative Position zueinander wechseln.
Die Signallinie
Die Standard-Signallinie wird als 9-Tage-EMA der Hauptlinie berechnet und liefert dadurch zusätzliche Informationen über deren vorangegangene Bewegungen.
Signallinie = 9-Tage-EMA der MACD-Linie
Auch wenn Kreuzungen von MACD-Linie und Signallinie nicht immer treffsicher sind, werden diese Ereignisse meist als Signale für eine Trendwende gedeutet — besonders dann, wenn sie an den Extrempunkten des MACD-Charts auftreten (deutlich über oder deutlich unter der Nulllinie).
Das MACD-Histogramm
Das Histogramm ist nichts anderes als eine visuelle Aufzeichnung der relativen Bewegung von MACD-Linie und Signallinie. Die Berechnung ist denkbar einfach: eine Linie von der anderen abziehen.
MACD-Histogramm = MACD-Linie - Signallinie
Statt eine dritte bewegliche Linie einzuzeichnen, besteht das Histogramm aus Balken — das macht es leichter lesbar und anschaulicher. Beachten Sie: Die Balken des Histogramms haben nichts mit dem Handelsvolumen des Basiswerts zu tun.
MACD-Einstellungen
Wie erwähnt basiert die Standardeinstellung des MACD auf EMAs mit 12, 26 und 9 Perioden, also MACD (12, 26, 9). Manche technischen Analysten und Chartisten verändern diese Perioden jedoch, um den Indikator an ihren Handelsstil anzupassen. In den traditionellen Finanzmärkten wird beispielsweise MACD (5, 35, 5) häufig in Kombination mit längeren Zeitrahmen eingesetzt (etwa Wochen- oder Monatscharts).
Erwähnenswert ist außerdem: Wegen der hohen Volatilität des Kryptomarkts kann es riskant sein, die Empfindlichkeit des MACD-Indikators zu erhöhen, da dies zu mehr Fehlsignalen und irreführenden Informationen führen kann.
MACD-Charts richtig lesen
Wie der Name schon sagt, verfolgt der Moving Average Convergence Divergence die Beziehung zwischen gleitenden Durchschnitten. Diese Beziehung lässt sich als Konvergenz oder Divergenz beschreiben: Nähern sich die beiden Linien einander an, konvergieren sie; entfernen sie sich voneinander, divergieren sie.
Die eigentlichen Signale des MACD hängen jedoch an den sogenannten Kreuzungen. Sie treten auf, wenn die MACD-Linie die Mittellinie nach oben oder unten durchbricht (Mittellinienkreuzung) oder wenn sie die Signallinie nach oben oder unten durchbricht (Signallinienkreuzung).
Denken Sie daran, dass Kreuzungen von Mittellinie und Signallinie mehrfach auftreten und dabei zahlreiche falsche und irreführende Signale erzeugen können — gerade bei volatilen Werten wie Kryptowährungen. Verlassen Sie sich deshalb nie allein auf den MACD-Indikator.
Mittellinienkreuzungen
Eine Mittellinienkreuzung entsteht, wenn die MACD-Linie in den positiven oder negativen Bereich wechselt. Kreuzt sie die Mittellinie nach oben, zeigt ein positiver MACD an, dass der 12-Tage-EMA über dem 26-Tage-EMA liegt. Umgekehrt ist der MACD negativ, wenn die MACD-Linie unter die Mittellinie fällt — dann liegt der 26-Tage-Durchschnitt über dem 12-Tage-Durchschnitt. Anders gesagt: Eine positive MACD-Linie deutet auf stärkeres bullisches Momentum hin, eine negative auf stärkeres bärisches Momentum.
Signallinienkreuzung
Trader deuten es meist als potenzielle Kaufgelegenheit (Einstiegspunkt), wenn die MACD-Linie die Signallinie nach oben durchbricht. Durchbricht die MACD-Linie die Signallinie nach unten, gilt das üblicherweise als Verkaufsgelegenheit (Ausstiegspunkt).
Signalkreuzungen können nützlich sein, sind aber nicht immer verlässlich. Um das Risiko zu senken, lohnt es sich, ihre Position im Chart mitzudenken. Signalisiert eine Kreuzung etwa einen Kauf, liegt die MACD-Linie aber unter der Mittellinie (negativer Wert), können die Marktbedingungen weiterhin als bärisch gelten. Deutet die Signallinienkreuzung umgekehrt auf einen möglichen Verkauf hin, ist die MACD-Linie aber positiv (über der Nulllinie), kann der Markt weiterhin bullisch bleiben. In diesem Fall ist es — gemessen am übergeordneten Trend — riskanter, dem Verkaufssignal zu folgen.
MACD und Kursdivergenzen
Neben Mittellinien- und Signallinienkreuzungen kann der MACD-Chart auch Aufschluss über Divergenzen zwischen dem Indikator und der Kursentwicklung des Basiswerts geben.
Erreicht der Kurs einer Kryptowährung beispielsweise ein höheres Hoch, während der MACD ein tieferes Hoch ausbildet, liegt eine bärische Divergenz vor: Trotz des Kursanstiegs ist das bullische Momentum (der Kaufdruck) nicht mehr so stark wie zuvor. Da bärische Divergenzen Kursumkehrungen oft vorausgehen, werden sie meist als Verkaufsgelegenheit interpretiert.
Bildet die MACD-Linie umgekehrt zwei steigende Tiefs aus, während der Kurs des Basiswerts zwei fallende Tiefs zeigt, spricht man von einer bullischen Divergenz: Trotz des Kursrückgangs nimmt der Kaufdruck zu. Das kann auf ein kurzfristiges Tief hindeuten (Wende von fallend zu steigend).
Fazit
Der Moving-Average-Convergence-Divergence-Oszillator ist eines der nützlichsten Werkzeuge der technischen Analyse — nicht nur, weil er einfach anzuwenden ist, sondern auch, weil er Markttrends und Momentum zuverlässig sichtbar macht.
Wie die meisten TA-Indikatoren ist der MACD jedoch nicht immer treffsicher und kann viele falsche und irreführende Signale liefern, besonders bei volatilen Werten, schwachen Trends oder Seitwärtsbewegungen. Deshalb kombinieren viele Trader den MACD mit weiteren Indikatoren wie dem RSI, um das Risiko zu senken und Signale zu bestätigen.
