Wer ist Michael Saylor? Eine Bitcoin-Liebesgeschichte!

· 4 min read

„Bitcoin ist ein Schwarm von Cyber-Hornissen im Dienst der Göttin der Weisheit, genährt vom Feuer der Wahrheit, der hinter einer Mauer aus verschlüsselter Energie exponentiell klüger, schneller und stärker wird." Wer ist Michael Saylor, der 6 Milliarden Dollar, die er sich mühsam erarbeitet hatte, mit dem Platzen der Dotcom-Blase über Nacht verlor, später zum größten Bitcoin-Bullen der Welt wurde und das Dirigieren von Cyber-Hornissen zu seinem Hobby machte?

Wer ist Michael Saylor?

Geboren 1965 als Soldatenkind im US-Bundesstaat Nebraska, verbrachte er seine Kindheit auf Stützpunkten der US Air Force rund um den Globus. Saylor, der sich schon früh ernsthaft für Technik und Mathematik interessierte, sagt, beides bringe „Menschen dazu, bessere Entscheidungen zu treffen". Nachdem er die Highschool als Jahrgangsbester und Klassensprecher abgeschlossen hatte, studierte er mit einem vollen Militärstipendium Luft- und Raumfahrttechnik am MIT. Zusätzlich belegte er das Fach Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft und machte einen Doppelabschluss. Dabei erlebte er, wie Computersimulationen auf Politikgestaltung und Unternehmensstrategie angewendet werden. Das begeisterte ihn so sehr, dass er sogar eine Abschlussarbeit darüber schrieb. Seine Hobbys ließ Saylor in dieser Zeit nicht liegen: An der Uni spielte er Gitarre in einer Rockband und lernte, Segelflugzeuge zu fliegen.

Schritt für Schritt auf der Karriereleiter

Saylor, der 1987 mit höchster Auszeichnung am MIT abschloss, arbeitete für die Regierung und wurde Oberleutnant der Air Force. Anschließend trat er ohne Umwege in die Streitkräfte ein. Er konzentrierte sich darauf, Computersimulationen zur Unterstützung strategischer Entscheidungen in verschiedenen Unternehmen zu entwickeln, und begann damit offiziell seine Beraterkarriere. Mit 24 verband er seine Leidenschaft für Technologie, seine Liebe zum Geschäft und natürlich seine Begeisterung für Computersimulationen und gründete MicroStrategy — ein Unternehmen, das einen neuen Ansatz für Business Intelligence prägen sollte und, ohne dass er es damals ahnte, stetig wachsen und neun Jahre später an die Börse gehen würde. 1998 ging das Unternehmen an die Börse und wurde zu einem weltweit führenden Anbieter von Analytics- und Mobility-Software für Unternehmen, der Tausende Organisationen weltweit betreut.

Unternehmerisches Genie

1999 gründete er die Saylor Foundation, die Millionen von Dollar für Kindergesundheit, Flüchtlingshilfe, Bildung, Umweltschutz und die Förderung der Künste gespendet hat. Die Stiftung betreibt die Saylor Academy, die Studierenden weltweit Kurse von Psychologie über Kunstgeschichte bis Wirtschaft anbietet. Im selben Jahr, 1999, wurde MicroStrategy zu einem der wertvollsten Unternehmen der Wall Street und Saylor selbst zum reichsten Menschen Washingtons. Kurz darauf platzte mit dem massiven Kursverfall der Aktien die sogenannte Wirtschaftsblase, und er verlor über Nacht 6 Milliarden Dollar. 2012 schrieb er das Buch „Die Mobile Welle: Wie mobile Intelligenz alles verändern wird?", das zum Bestseller wurde. Er gründete Alarm.com, ein Technologieunternehmen für Dienste wie Fernsteuerung und Hausautomation. Außerdem baute er mit Angel.com eines der ersten Cloud-Unternehmen auf, das er 2013 für 110 Millionen Dollar verkaufte. Im selben Jahr sagte er noch: „Die Tage von Bitcoin sind gezählt. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis ihn dasselbe Schicksal ereilt wie das Online-Glücksspiel." Doch 2020 änderte er seine Meinung um 180 Grad, wurde zu einem der leidenschaftlichsten Verfechter digitaler Vermögenswerte, und MicroStrategy zu einem der Unternehmen mit den größten Bitcoin-Reserven.

Michael Saylors Bankrott

Die Grundprinzipien von MicroStrategy — beziehungsweise Saylors Sichtweise — blieben über Jahre hinweg bis heute nahezu unverändert. Denn er weiß besser als jeder andere, wie kurzlebig ein Aktienvermögen sein kann. Vor 21 Jahren, während des Dotcom-Booms, verlor MicroStrategy Milliarden von Dollar, dazu kamen Betrugsvorwürfe, und das Unternehmen stand kurz vor dem Zusammenbruch. Deshalb rückte er bis zum vergangenen Jahr, als eine dezentrale digitale Währung auf die Agenda kam, nicht von seiner traditionellen Struktur ab und stellte sich sogar dagegen. Im März 2020 erkannte er, dass er nicht länger Bargeld halten sollte, und begann zu recherchieren, um die vernünftigste Lösung für dieses Problem zu finden.

Wiedergeburt

Aus diesem Grund wandelte er am 11. August 2020 die gesamten Barmittel des Unternehmens in Bitcoin um. Tatsächlich hätte diese Summe nicht gereicht: Allein um sein Krypto-Investment in dieser Zeit aufzustocken, nahm er über 2 Milliarden Dollar an Krediten auf. „Eines Tages werden Milliarden von Menschen digitale Werte halten, und wenn dieser Zeitpunkt kommt, wollen wir vor diesen Milliarden dort sein", sagte er in einem Interview. Was ihn so stark an dieses System band, waren das Technologienetzwerk und dessen Potenzial. Der Unterschied zwischen Bitcoin und anderen Technologienetzwerken wie Apple oder Facebook liegt für Saylor darin, dass Bitcoin ein reines Technologienetzwerk ist, das an nichts gebunden — also von jeder Autorität unabhängig — ist. Im September gab Michael Saylor bekannt, im Namen von MicroStrategy weitere 5.050 Bitcoin gekauft zu haben. Damit überschritten die Gesamtreserven des Unternehmens die Marke von 114.000 Bitcoin. Zudem hält er selbst rund 18.000 Bitcoin in seiner eigenen Wallet.

Michael Saylor Binance bitcoin