Um es gleich vorwegzunehmen: Technische Analyse ist schwieriger, als sie aussieht! Wer schon eine Weile handelt, weiß, dass Fehler zum Spiel gehören. Tatsächlich kann kein Trader Verluste völlig vermeiden – nicht einmal die erfahrenen Profis, denen man kaum noch Fehler zutraut.
Dennoch machen fast alle Anfänger am Anfang ein paar kleine Fehler. Die besten Trader bleiben stets offen, rational und ruhig, kennen ihren Spielplan und hören nie auf zu lesen, was der Markt ihnen sagt.
Genau das müssen Sie auch tun, wenn Sie erfolgreich sein wollen! Wer diese Eigenschaften kultiviert, kann Risiken steuern, Fehler analysieren, Stärken ausbauen und sich kontinuierlich verbessern. Versuchen Sie, die ruhigste Person im Raum zu sein – besonders dann, wenn es schwierig wird.
Schauen wir uns an, wie sich die offensichtlichsten Fehler vermeiden lassen!
Einführung
Die technische Analyse (TA) ist eine der am weitesten verbreiteten Methoden zur Analyse der Finanzmärkte. Sie lässt sich auf nahezu jeden Markt anwenden – ob Aktien, Devisen, Gold oder Kryptowährungen.
Die Grundlagen der technischen Analyse sind zwar relativ leicht zu verstehen, doch sie wirklich zu beherrschen ist schwer. Wenn Sie eine neue Fähigkeit erlernen, ist es ganz natürlich, dabei viele Fehler zu machen. Beim Trading oder Investieren ist das jedoch besonders gefährlich. Wer nicht aufpasst und nicht aus seinen Fehlern lernt, kann einen Großteil seines Kapitals verlieren. Aus Fehlern zu lernen ist gut – sie möglichst zu vermeiden, ist besser.
Dieser Artikel stellt Ihnen einige der häufigsten Fehler in der technischen Analyse vor. Wenn Sie neu im Trading sind: Warum nicht zuerst die Grundlagen lernen? Lesen Sie unsere Artikel darüber, was technische Analyse ist, und über die 5 wichtigsten Indikatoren der technischen Analyse.
Welche Schnitzer unterlaufen neuen Tradern beim Einsatz der technischen Analyse also am häufigsten?
1. Verluste nicht begrenzen
Es klingt simpel, aber man kann die Bedeutung dieses Punkts gar nicht oft genug betonen: Beim Trading und Investieren hat der Schutz Ihres Kapitals immer oberste Priorität.
Der Einstieg kann eine Herausforderung sein. Ein bewährter Ansatz für den Anfang lautet: Der erste Schritt besteht nicht darin, zu gewinnen, sondern darin, nicht zu verlieren. Deshalb ist es sinnvoll, mit kleinen Positionsgrößen zu starten – oder sogar ganz ohne echtes Geld. Binance Futures bietet zum Beispiel ein Testnetz, in dem Sie Ihre Strategie ausprobieren können, bevor Sie hart verdientes Geld riskieren. So schützen Sie Ihr Kapital und gehen nur dann Risiken ein, wenn Ihre Strategie langfristig gute Ergebnisse liefert.
Ein Stop-Loss ist schlicht ein Gebot der Vernunft. Ihre Trades sollten einen Invalidierungspunkt haben – den Punkt, an dem Sie in den sauren Apfel beißen und akzeptieren, dass Ihre Trade-Idee falsch war. Wenn Sie diese Denkweise nicht auf Ihr Trading anwenden, werden Sie auf lange Sicht wahrscheinlich keinen Erfolg haben. Schon ein einziger schlechter Trade kann Ihrem Portfolio schwer schaden – und am Ende sitzen Sie auf einer Verlustposition und hoffen, dass sich der Markt schon erholen wird.
2. Overtrading
Als aktiver Trader müsse man ständig in einem Trade sein – das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Trading bedeutet eine Menge Analyse und viel Geduld! Manche Strategien verlangen, dass Sie lange auf ein verlässliches Signal warten, bevor Sie in einen Trade einsteigen. Manche Trader machen weniger als drei Trades pro Jahr und erzielen trotzdem herausragende Renditen.
Steigen Sie nicht in einen Trade ein, nur um des Handelns willen. Sie müssen nicht immer in einer Position sein. In manchen Marktphasen ist es sogar deutlich profitabler, nichts zu tun und zu warten, bis sich eine Gelegenheit bietet. So bewahren Sie Ihr Kapital und sind bereit zuzuschlagen, wenn sich wieder gute Chancen ergeben. Und eines sollte man nicht vergessen: Gelegenheiten kommen immer wieder. Man muss nur auf sie warten.
Ein ähnlicher Fehler ist die übermäßige Fixierung auf kurze Zeiteinheiten. Analysen auf höheren Zeitebenen sind in der Regel verlässlicher als solche auf niedrigen. Kurze Zeiteinheiten erzeugen viel Marktrauschen und können dazu verleiten, häufiger in Trades einzusteigen. Es gibt zwar erfolgreiche Scalper und profitable Kurzfrist-Trader, doch das Handeln auf kurzen Zeitebenen bietet meist ein schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis. Für Anfänger ist diese riskante Vorgehensweise sicher nicht zu empfehlen.
3. Revenge-Trading
Es kommt häufig vor, dass Trader einen großen Verlust sofort wieder wettmachen wollen. Das nennen wir Revenge-Trading. Ob Sie technischer Analyst, Daytrader oder Swing-Trader werden wollen – emotionale Entscheidungen zu vermeiden ist der Schlüssel.
Es ist leicht, ruhig zu bleiben, wenn alles gut läuft oder wenn man nur kleine Fehler macht. Aber bewahren Sie auch dann einen kühlen Kopf, wenn alles schiefgeht? Können Sie an Ihrem Trading-Plan festhalten, selbst wenn alle anderen in Panik verfallen?
Achten Sie auf das Wort „Analyse" in „technische Analyse". Es setzt naturgemäß einen analytischen Umgang mit dem Markt voraus, nicht wahr? Warum sollte man in einer solchen Disziplin also überstürzte, emotionale Entscheidungen treffen? Wenn Sie zu den besten Tradern gehören wollen, müssen Sie selbst nach den schwersten Fehlern ruhig bleiben. Vermeiden Sie emotionale Entscheidungen und konzentrieren Sie sich auf logisches, analytisches Denken.
Direkt nach einem großen Verlust zu handeln führt in der Regel zu noch größeren Verlusten. Deshalb handeln manche Trader nach einem herben Verlust eine Zeit lang überhaupt nicht. So können sie mit klarem Kopf neu anfangen.
4. Zu stur sein, um die Meinung zu ändern
Wenn Sie ein erfolgreicher Trader sein wollen, dürfen Sie keine Angst davor haben, Ihre Meinung zu ändern – und zwar oft. Die Marktbedingungen ändern sich schnell, und eines ist sicher: Sie werden sich weiter ändern. Ihre Aufgabe als Trader ist es, diese Veränderungen zu erkennen und sich an sie anzupassen. Eine Strategie, die in einem bestimmten Marktumfeld hervorragend funktioniert, kann in einem anderen völlig versagen.
Es ist eine gute Übung, gezielt nach Schwachstellen in der eigenen Argumentation zu suchen und die Gegenseite einzunehmen. So werden Ihre Investmentthesen (und Entscheidungen) deutlich belastbarer.
Das führt zu einem weiteren Thema: kognitive Verzerrungen. Diese können Ihre Entscheidungen stark beeinflussen, Ihr Urteilsvermögen trüben und die Bandbreite der Optionen einschränken, die Sie überhaupt in Betracht ziehen. Sorgen Sie dafür, dass Sie zumindest die kognitiven Verzerrungen kennen, die Ihren Trading-Plan beeinflussen könnten. So können Sie ihre Auswirkungen wirksamer abmildern.
5. Extreme Marktbedingungen ignorieren
Die Prognosekraft der technischen Analyse ist nicht immer zuverlässig – etwa bei Schwarzen Schwänen oder anderen extremen Marktlagen, die stark von Massenemotionen und Herdenpsychologie getrieben werden. In solchen Phasen können Märkte extrem in eine Richtung kippen.
Nehmen wir den Relative-Stärke-Index (RSI) als Beispiel, einen Momentum-Indikator. Als Faustregel gilt: Liegt der Wert unter 30, kann der Vermögenswert im Chart als überverkauft gelten. Bedeutet ein RSI unter 30 also ein sofortiges Handelssignal? Keineswegs! Es heißt lediglich, dass das Momentum des Marktes gerade von den Verkäufern bestimmt wird. Mit anderen Worten: Die Verkäufer sind stärker als die Käufer – mehr nicht.
Unter außergewöhnlichen Marktbedingungen kann der RSI extreme Werte erreichen. Er kann sogar in den einstelligen Bereich fallen, nahe am kleinstmöglichen Wert (null). Doch selbst ein derart extremer überverkaufter Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Erholung bevorsteht.
Blind auf Basis technischer Werkzeuge zu entscheiden, die Extremwerte erreichen, kann Sie viel Geld kosten. Das gilt besonders bei Schwarzen Schwänen, wenn die Kursbewegungen kaum noch zu deuten sind. In solchen Momenten kann der Markt immer weiter in eine Richtung laufen – und kein Analysetool wird ihn aufhalten. Deshalb ist es entscheidend, stets auch andere Faktoren einzubeziehen und sich nie auf ein einzelnes Werkzeug zu verlassen.
6. Vergessen, dass TA ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten ist
Die technische Analyse arbeitet nicht mit absoluten Gewissheiten, sondern mit Wahrscheinlichkeiten. Das heißt: Egal auf welchen technischen Ansatz Sie Ihre Strategie stützen – es gibt keine Garantie, dass sich der Markt wie erwartet verhält. Ihre Analyse mag nahelegen, dass ein Anstieg oder ein Rückgang wahrscheinlicher ist, aber sicher ist das nie.
Das müssen Sie beim Aufbau Ihrer Trading-Strategie berücksichtigen. Ganz gleich, wie erfahren Sie sind: Es ist nie klug anzunehmen, der Markt werde Ihrer Analyse schon folgen. Wer das tut, neigt dazu, zu große Positionen einzugehen und zu viel auf ein einziges Ergebnis zu setzen – und riskiert damit erhebliche finanzielle Verluste.
7. Anderen Tradern blind folgen
Wer eine Disziplin meistern will, muss sich ständig weiterentwickeln – das gilt ganz besonders für den Handel an den Finanzmärkten. Die sich wandelnden Marktbedingungen machen es schlicht erforderlich. Einer der besten Lernwege ist, erfahrenen Profis, Analysten und Tradern zu folgen.
Doch wer dauerhaft gut sein will, muss auch seine eigenen Stärken finden und ausspielen. Man könnte es Ihren Edge nennen – das, was Sie als Trader von anderen unterscheidet.
Wenn Sie viele Interviews mit erfolgreichen Tradern lesen, werden Sie feststellen, dass deren Strategien sich stark unterscheiden. Tatsächlich kann eine Strategie, die für den einen Trader perfekt funktioniert, für einen anderen völlig unbrauchbar erscheinen. Es gibt unzählige Wege, am Markt Geld zu verdienen. Sie müssen nur den finden, der am besten zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Trading-Stil passt.
Auf Basis der Analyse eines anderen in einen Trade einzusteigen, kann gelegentlich funktionieren. Wenn Sie jedoch den zugrunde liegenden Kontext nicht verstehen und anderen Tradern einfach blind folgen, wird das auf lange Sicht garantiert nicht funktionieren. Das heißt natürlich nicht, dass Sie niemandem folgen und von niemandem lernen sollten. Entscheidend ist, ob Sie mit der Trade-Idee einverstanden sind und ob sie in Ihr Trading-System passt. Selbst wenn andere Trader erfahren und angesehen sind, sollten Sie ihnen nicht blind folgen.
Fazit
Wir haben einige der grundlegendsten Fehler durchgesprochen, die es beim Einsatz der technischen Analyse zu vermeiden gilt. Denken Sie daran: Trading ist nicht einfach – und mit einer langfristigen Denkweise fährt man in der Regel deutlich besser.
Dauerhaft erfolgreich zu handeln ist ein Prozess, der Zeit braucht. Es erfordert viel Übung, seine Trading-Strategie zu verfeinern und zu lernen, eigene Trade-Ideen zu entwickeln. Nur so finden Sie Ihre Stärken, erkennen Ihre Schwächen und behalten die Kontrolle über Ihre Trading- und Investmententscheidungen.
